Punkteteilung im Derby
So blau wie die Matchtrikots der PSG Lyss war am Ende der Partie auch das Auge, das sich der TV Solothurn im Derby zuhause einholte. Als Favorit ins Spiel gestartet, bekundete Solothurn lange Mühe mit den hochmotivierten Seeländern. Am Ende zeigte die Matchuhr ein leistungsgerechtes 29:29.
Gaudenz Oetterli
Als nach 60 intensiven Derby-Minuten die Schlusssirene ertönte, lag eine verwirrende Stimmung in der Luft. Sollte man sich nun freuen über den Punktgewinn oder dem verpassten Sieg nachtrauern? Muss man sich ärgern über den verlorenen Punkt oder oder hat man gerade noch so mit Ach und Krach ein komplette Pleite verhindert? Und das Spezielle dabei war: diese Fragen stellten sich nach dem Abpfiff beide Teams. Denn sowohl Solothurn, wie auch Lyss, hätten dieses Spiel gewinnen können – und beide hätten es ebenso gut verlieren können.
Den besseren Start ins Derby erwischte wie schon in der letzten Begegnung die PSG Lyss. Nach einem langen ersten Angriff schlossen die Berner zum 1:0 ab und bereits zehn Sekunden später stand es nach einem technischen Fehler der Solothurner 2:0 für Lyss. Der TVS hingegen brauchte einen Moment, um im Derby anzukommen. Wie ein Diesel-Motor, der etwas länger benötigt, um auf Touren zu kommen. So gehörten die Startminuten klar den Gästen.
Einmal legt Lyss vor, dann wieder Solothurn
Doch Lyss nahm sich den Wind gleich selbst aus den Segeln. Nach drei technischen Fehlern und einer völlig unnötigen Zweiminuten-Strafe schwand der kleine Vorsprung schnell dahin und so legte Solothurn ein Tor vor (11. Minute, 7:6). Doch auch die Aarestädter konnten den Vorsprung nicht halten. Nach vier Fehlwürfen und zwei Ballverlusten in den folgenden fünf Minuten, sah sich Trainer Andri Tatarinoff genötigt, ein Timeout zu nehmen. Lyss war in der 21. Minute gerade wieder mit zwei Toren in Führung gegangen (10:12) und seine Solothurner bekundeten offensiv grosse Mühe, zu Abschlüssen zu kommen. Immerhin stabilisierte sich das Heimteam soweit, dass der Rückstand bis zum Seitenwechsel bei zwei Toren Differenz blieb (13:15).
In der Pause schien Trainer Andri Tatarinoff die richtigen Worte gefunden zu haben. Seine Mannen kamen furios daher und spielten sich in einen kleinen Rausch. In nur gerade fünf Minuten gelang den Solothurnern ein 5:0-Lauf und plötzlich führte das Heimteam mit 18:15. Wer die beiden Spiele in der letzten Saison gesehen hatte, war überzeugt, dass nun die Wende folgte und der TVS davonziehen würde. Doch weit gefehlt. Die Lysser steckten nicht auf und hielten in der Folge den Anschluss.
Kein Team kann den Sack zu machen
Es war die Phase des Spiels, in der es darum ging, keine oder möglichst wenig Fehler zu machen. Und je länger die Partie dauerte, desto mehr häuften sich die technischen Unzulänglichkeiten auf Seiten der Solothurner. Nach fünf unnötigen Ballverlusten und zwei Fehlwürfen kippte das Derby immer mehr auf die Seite der Gäste. Aus zwei Toren Vorsprung für den TVS wurde bis zur 54. Minute ein 24:27-Rückstand und die Partie schien fast zugunsten des Underdogs aus Lyss entschieden.
Doch auch dies sollte nicht die letzte Wendung sein in einem Derby, das alles bot, was sich der Handballfan erhoffen konnte – Emotionen, Tempo, Spannung und eine alles entscheidende Crunch-Time. In Letztere starteten die Gäste aus Lyss mit drei Längen Vorsprung. Doch Solothurn steckte nicht auf und plötzlich waren es die Nerven der Seeländer, die Angriff für Angriff versagten. In den letzten fünf Minuten erzielte der TVS aus jedem Angriff einen Treffer, während Lyss den fast sicher geglaubten Sieg mit zwei technischen Fehlern und zwei Fehlwürfen noch aus der Hand gab. Solothurn übernahm sogar noch einmal die Führung und wäre um ein Haar als Sieger vom Feld gegangen. Doch ein später Penalty für die Gäste sorgte am Ende für das leistungsgerechte Unentschieden. Ein Resultat, mit dem nach dem hin und her wogenden Spielverlauf beide Teams nicht so recht glücklich waren – und doch beide gut damit leben konnten.
Foto: Urs Trösch





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