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Blogbeitrag

Das unbeliebteste Auswärtsspiel

In der letzten Meisterschaftsrunde gab es für den TV Solothurn «eins auf den Deckel». Die Scharte gegen WEST Crissier wollen die Ambassadoren gegen ein weiteres Team aus der Romandie auswetzen. Das Spiel in Genf bei Chênois bringt aber einiges an Mühsal mit sich.

 

Gaudenz Oetterli

 

Das Wetter ist durchzogen bis schmuddelig, die Freude auf ein leckeres Nachtessen steigt, und nach dem Znacht läuft im Fernsehen der Tatort, zu dem man sich in die warme Decke einkuscheln kann. Was für ein wunderbarer Sonntagabend. Nicht so für die Handballer des TV Solothurn. Denn auf diese wartet ein Auswärtsspiel, das ungefähr so viel Freude macht wie ein Pickel im Gesicht am Hochzeitstag.

 

Mitte Nachmittag reisen die verwegenen Solothurner los in Richtung des westlichsten Zipfels der Schweiz. Das Abendessen gibt es irgendwo unterwegs oder aus dem Tupper. Um 19.15 startet das Spiel gegen Chênois, gegen ein nervenraubendes Teams, das sich wie eine statisch aufgeladene Plastikfolie einfach nie so richtig abschütteln lässt. Rund um neun Uhr abends macht sich der TVS dann auf den Rückweg und kommt gegen Mitternacht zuhause an. Wer dem Gegner unter diesen Voraussetzungen den Ligaerhalt wünscht, ist ein Sportsmann erster Güte.

 

Aufwärtstrend bei Chênois

 

Denn genau um diesen Verbleib in der ersten Liga muss Chênois noch kämpfen. Dass die Genfer sich den Ligarerhalt in der Barrage erkämpfen müssen ist schon klar. Sie können nicht mehr auf den letzten Platz zurückfallen und somit nicht mehr direkt absteigen. Der Relgationsrunde können sie jedoch auch nicht mehr entkommen, mit neun Punkten Rückstand in der Tabelle bei nur noch drei ausstehenden Spielen.

 

Trotz dieser Ausgangslage wird sich Chênois nicht schonen. Die Romands wollen im Rhythmus bleiben, um für die Abstiegsspiele bereit zu sein. Und ihre Formkurve zeigt nach oben. Gegen Leader Biel verloren die Genfer im Februar nur gerade mit einem Treffer Differenz, vor zwei Spielen erreichten sie ein Unentschieden gegen Lyss und letzte Woche resultierte ein Sieg im Romandie-Duell mit Nyon.

 

Lieber so als umgekehrt

 

Bereits in der Vorrunde präsentierten sich die Westschweizer im Duell mit Solothurn enorm aufsässig und lästig – Plastikfolie eben. Die Aarestädter bestimmten zwar das ganze Spiel, gingen in Führung, legten mal für mal vor. Aber Chênois liess sich nie entscheidend distanzieren. Mit einem Treffer drei Sekunden vor der Schlusssirene konnten die Genfer damals einen Punkt aus Solothurn entführen (29:29). Für den TVS war dies damals umso ärgerlicher, da die Romands bis dahin erst gegen Schlusslicht Herzogenbuchsee punkten konnten und Zweitletzte waren.

 

Mit einem Sieg gegen Chênois hätte Solothurn die Möglichkeit, in der Tabelle noch einen Rang zu gewinnen. Denn dieses Wochenende spielen die direkten Konkurrenten Olten und Lausanne gegeneinander. Olten liegt nur einen Punkt vor dem TVS, Lausanne deren zwei. Es wäre der Sprung in die obere Tabellenhälfte. Und die Ambassadoren würden sich die Chance erhalten, sogar noch auf den fünten Platz vorzustossen. Dafür muss die Truppe von Trainer Andri Tatarinoff an die guten Leistungen der Rückrunde anknüpfen und die mühseligen Umstände rund um das unbeliebteste Auswärtsspiel der Saison beiseite schieben. Ein Gedanke könnte dabei helfen: Der TVS muss diese mühsame Reise einmal im Jahr antreten. Die Genfer hingegen müssen dies umgekehrt fast jedes zweite Wochenende.


Bild: Urs Trösch


 
 
 

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