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Auftakt zur dreiteiligen Sinfonie

Der TV Solothurn konnte in der bisherigen Erstliga-Saison erst in wenigen Spielen überzeugen und hat nur fünf Punkte auf dem Konto. Noch schwieriger gestaltet sich die Situation für den HV Herzogenbuchsee, der bis anhin lediglich einmal siegte, gegen den Tabellenletzten aus Vevey. Nun treffen die beiden Sorgenkinder im Direktduell aufeinander.


Gaudenz Oetterli


Der Musik wird eine heilende Wirkung zugesprochen. Und oft wird Musik auch als Therapie für Problemkinder eingesetzt. In diesem Sinne betrachten wir das anstehende Handballspiel zwischen dem Gastgeber Herzogenbuchsee und dem TV Solothurn für einmal aus einer musikalischen Perspektive. Denn aufgrund der Tabellenlage und dem bisherigen Meisterschaftsverlauf können die beiden Teams tatsächlich als Problemkinder bezeichnet werden und je nach dem, wer die zwei Punkte holt, wird dies für die ein oder andere Seite eine therapeutische Wirkung haben.


Das Heimteam aus dem Oberaargau hat bereits neun Auftritte bestritten, und damit einen mehr als die meisten anderen Teams in der Liga. Viel Zählbares hat dabei noch nicht herausgeschaut, das Publikum dürfte über die lediglich zwei Zähler nicht gerade begeistert sein. Einzig gegen den Tabellenletzten Vevey orchestrierte der HV Herzogenbuchsee die 60 Minuten erfolgreich durch, wenn am Ende mit 25:22 auch nur knapp.


Den Orchestern fehlt es an Trommeln und Pauken


Für erfolgreichere Konzerte fehlt es dem Berner Ensemble in dieser Saison schlicht an der erforderlichen Orchester-Breite. Zwar weisen die Buchser in allen Registern genügend Musiker auf und alle Positionen sind besetzt. Jedoch mussten dazu einige Junioren in den Kader aufgenommen werden, die eigentlich noch U19 spielen könnten. Diese beherrschen zwar die Töne und spielen im Takt, für die technisch anspruchsvolleren Teile und die Fortissimo-Passagen reicht es jedoch noch nicht ganz. So stehen dem einzigen erfolgreichen Konzert mittlerweile schon acht verpatzte Auftritte entgegen.


Nicht ganz so schlimm steht es um die Solothurner Philharmoniker unter der Leitung von Neo-Dirigent Andri Tatarinoff. Diese holten sich zumindest in zwei von acht Konzerten löbliche Kritiken ab, dazu gesellte sich ein ambivalenter Auftritt in Nyon, der immerhin noch einen Punkt einbrachte. Richtig befriedigend dürfte das Abschneiden bis dato aber auch für die ambitionierten Ambassadorenstädter nicht sein.


An der Technik hapert es bei den Solothurnern nicht, die Partitur ist insgesamt sehr harmonisch gestaltet und die einzelnen Orchester-Teile wissen sie auch präzise zu spielen. Was jedoch klar fehlt, das ist das richtige Schlagwerk. Die TVS-Vorträge tönen immer ansprechend, aber meist auch wenig kraftvoll; als würde man versuchen, Carl Orff’s Carmina Burana in all seiner Epik hinzuschmettern, aber ohne die donnernden Schlaginstrumente.


Die gesamte Kapelle muss endlich abliefern


Sicher ist, dass sich beide Orchester am kommenden Samstag besonders viel Mühe geben werden. Schliesslich gilt die Begegnung zwischen Buchsi und dem TVS seit langem als Derby. Die Bühne wird dabei das Mittelholz in Herzogenbuchsee sein und klar ist auch, dass der Auftritt ein grösseres Publikum anziehen wird, auch wenn beide Gruppen bis anhin noch nicht allzu gross aufspielten.


Für die Solothurner ist das Gastspiel im Oberaargau lediglich der Start zu einer Konzertreihe. Der TVS spielt in den nächsten zwei Wochen eine Sinfonie in drei Teilen. Nach dem Eröffnungskonzert in Herzogenbuchsee bespielen die Ambassadoren in der Woche darauf die Bühne in Genf, gegen Chênois. Den Abschluss bildet danach der Auftritt in Biberist mit dem Gast aus Lausanne/Cugy in der Bleichenmatt.


Der TVS ist sich der Wichtigkeit der drei kommenden Auftritte bewusst, denn die Gegner sind jeweils Teams in fast unmittelbarer Tabellennähe, es sind also sogenannte Vierpunktespiele. Für den Erfolg, und damit verbunden das Hochklettern in der Tabelle, benötigt TVS-Dirigent Andri Tatarinoff insbesondere in der nächsten Begegnung gegen Buchsi hochkonzentrierte Streicher, die für die Musik sorgen, Bläser mit langem Atem, um dem Gespielten das nötige Volumen zu geben und nicht zuletzt ein Schlagwerk, das der Komposition endlich genügend (Durchschlags-)Kraft verleiht.


Die Partie HV Herzogenbuchsee - TV Solothurn findet statt am 25. November 2023 um 16.00 Uhr im Mittelholz Herzogenbuchsee.


Foto: Andre Veith


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