Und wieder einmal geht es nach Nyon
Am kommenden Wochenende bestreitet der TV Solothurn seine dritte Meisterschaftspartie. Dabei messen sich die Aarestädter mit Nyon La Côte. Die Waadtländer führen die Erstliga-Tabelle aktuell an, das liegt jedoch auch daran, dass sie bereits ein Spiel mehr auf dem Buckel haben.
Gaudenz Oetterli
Die Genferseeküste – «La Côte» – ist ein wunderschöner Flecken Schweiz. Der Blick auf den grössten See der Schweiz und auf die französischen Alpen im Süden, die historischen Schlösser und mittelalterlichen Dörfer und nicht zuletzt die fast 2'000 Hektaren Weinreben, die den Jurasüdfuss nördlich des Lac Léman säumen; all dies macht «La Côte» zu einem beliebten Reiseziel. Nicht nur für Touristen, sondern vor allem für die Handball-Truppe des Turnvereins aus Solothurn. Keine andere Region wurde von TVS-Übungsleiter Andri Tatarinoff und seiner Mannschaft in den letzten Jahren mehr bereist. Denn mit Lausanne-Ville/Cugy, WEST Crissier, RG Nyon und Nyon La Côte liegen gleich vier Gruppengegner in der bekannten Weisswein-Region.
Absoluter Favorit ist dabei die Stadt Nyon. Obwohl die zur Römerzeit wichtigste Siedlung am Genfersee heute vor allem in Fussballkreisen bekannt ist – dem Hauptsitz der UEFA sei Dank – und lediglich rund 24'000 Einwohnende zählt, gibt es in Nyon tatsächlich zwei Handballvereine. Beide spielen in der gleichen Erstliga-Gruppe, zusammen mit dem TV Solothurn. Und so kommt es, dass die Ambassadoren zweimal im Jahr das zweifelhafte Vergnügen haben, sich auf die lange Reise nach Nyon zu machen. Da die Solothurner die letzten beiden Jahre im Schweizer Cup zufälligerweise noch zwei Mal auswärts gegen Nyon gelost wurden, ist die westschweizer Kommune zur bevorzugten Reisedestination des TVS avanciert.
Die Auswärtsbilanz in Nyon ist wenig erquicklich
Ein schönes Gläschen Siegeswein aus den niedergerungenen Landen in der Romandie gab es für die Aarestädter indes nur selten. Die Erfolge des TVS in der schönen Cossy-Halle in Nyon lassen sich nämlich an einem Finger abzählen. Nur gerade einmal – im Cup vor zwei Jahren – ging Solothurn als Sieger vom Platz, nach Verlängerung gegen die Spielgemeinschaft Nyon.
Gegen den jetzigen Gegner La Côte hingegen gab es in der gleichen Spielzeit vor zwei Jahren eine ordentliche Klatsche. Und dies obwohl der TVS damals gegen die punktelosen Aufsteiger aus Nyon klarer Favorit waren und die Nyonnais Ende Saison wieder abstiegen. In der aktuellen Spielzeit ist Nyon La Côte wieder Aufsteiger. Dank zweier Siege empfangen sie die Gäste aus der Ambassadorenstadt dieses Jahr aber nicht als Schlusslicht, sondern als Leader.
Der Aufsteiger als aktueller Ligakrösus
Es gilt dabei aber zu erwähnen, dass das Auftaktprogramm der beiden Teams recht unterschiedlich war. Während Solothurn gegen Absteiger Birsfelden (34:36-Niederlage) startete und danach mit Lausanne-Ville/Cugy den Leader der letztjährigen Hinrunde empfing (29:25), hatte Nyon einen milderen Einstieg in die Saison. Das erste Duell gegen Mitaufsteiger Leimental entschieden die Romands mit 33:18 klar für sich. Danach setzte es gegen den letztjährigen Vierten Visp eine knappe Niederlage ab (28:29), ehe es gegen Lyss den nächsten deutlichen Sieg gab mit 41:27.
Mit 34 erzielten Treffern im Schnitt und nur knapp 25 Gegentreffern präsentiert sich La Côte jedoch wesentlich stärker als noch beim Aufstieg vor zwei Jahren. Es ist davon auszugehen, dass die Romands ihre Lehren gezogen haben aus der letzten Erstliga-Saison, die mit dem Wiederabstieg endete, und auf diese Spielzeit hin aufgerüstet haben. Der TV Solothurn sollte also gewarnt sein, Nyon La Côte wird nicht wie ein Aufsteiger auftreten.
Bei zwei starken Offensiven kommt es auf die Verteidigung an
Doch die Solothurner Truppe von Trainer Andri Tatarinoff geht nicht unbewaffnet in das Duell am Genfersee. Seit letzter Woche ist Linkshänder Flurin Scartazzini wieder voll einsatzbereit. Seine Grösse, seine Wurfgewalt und sein Auge für den besser postierten Mitspieler verleihen dem TVS auf der rechten Rückraumposition eine enorme Gefährlichkeit. Und auch Tobias Zeltner, der mit der Rückkehr von Scartazzini auf seine präferierte linke Aufbau-Seite wechseln konnte, ist nach seiner Verletzung zurückgekehrt – und wie: in den ersten zwei Meisterschaftsspielen schoss Zeltner 20 Tore. 18 weitere erzielte der 20-Jährige in den beiden Cupspielen.
Entscheiden über Sieg oder Niederlage wird einmal mehr die Defensive und dabei wird den Torhütern eine wichtige Rolle zukommen. Es ist zu erwarten, dass beide Seiten sehr oft zum Abschluss kommen werden. Nyon sicherlich mit hohem Tempo und schnellem Umschaltspiel, Solothurn hingegen eher aus dem Positionsspiel hinaus mit vielen Eins-gegen-Eins-Situationen über Tobias Zeltner oder aus dem Rückraum. Solche Spiele mit vielen Abschlüssen sind gemacht für die Torhüter. Die Abwehrreihen werden nicht alle Würfe unterbinden können und so hängt am Ende viel an den Männern zwischen den Pfosten. Sie werden massgeblich mitentscheiden, wer am Ende den süssen Siegeswein kostet, und wer sich mit dem Frustbier zufrieden geben muss.
Bild: Silas Zeltner





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