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Blogbeitrag

Ein fürchterlicher Sieg

vor 2 Stunden
3 Min. Lesezeit

Trotz einer mehr als dürftigen Leistung sichert der TV Solothurn gegen Leimental am Ende zwei wichtige Punkte. Den 35:33-Sieg gegen das punktelose Schlusslicht der Liga mussten sich sowohl die TVS-Spieler, als auch das Heimpublikum unter horrenden Augenschmerzen erdauern. Die Tatsache, dass dieser Auftritt in der Tabelle noch mit dem Sprung auf Rang vier belohnt wird, ist in ihrer Ironie schon fast komisch.

 

Gaudenz Oetterli

 

Lachen mochte nach dem Spiel gegen Leimental eingentlich niemand. Und dies, obwohl der TV Solothurn nach zwei Spielen ohne Vollerfolg wieder auf die Siegerstrasse zurückgekehrt war. Diejenigen, die trotzdem grinsten, taten dies schon fast peinlich berührt und entschuldigend – und mit einer grossen Portion Selbstkritik. Denn jedem war bewusst: gegen jedes andere Team in der Liga wäre eine solche Leistung mit einer schallenden Ohrfeige bestraft worden.

 

Die Ausgangslage vor dem Spiel war so klar, dass niemand, vermutlich noch nicht einmal die Baselbieter aus dem Leimental, damit gerechnet hatte, dass das Duell am Ende fast mit einem Fotofinish endet. Der Gast aus dem Norden reiste mit vier deutlichen Niederlagen im Gepäck nach Solothurn. Beim bisher besten Auftritt bisher kassierte der Aufsteiger eine 19:28-Klatsche. Die weiteren drei Niederlagen fielen mit -10, -15 und -18 noch wesentlich deutlicher aus.

 

Hochmut kommt vor dem Fall

 

Die Heimmannschaft aus Solothurn hingegen hat sogar gegen das NLA-Team des RTV Basel noch besser abgeschnitten. Die Ambassadoren verloren da lediglich mit acht Treffern Unterschied. Viele Solothurner rechneten daher bereits vor dem Spiel gegen Leimental mit einem «easy win», vermutlich auch einige TVS-Spieler. Aber: Den Gegner zu unterschätzen war im Sport schon immer ein Kardinalfehler. Und der TVS kann von Glück reden, dass er dafür nicht bestraft wurde.

 

Schon zu Beginn der Partie zeigte sich, dass der Gast aus dem Leimental nicht angereist war, um sich in der Erstliga ein weiteres Mal abschlachten zu lassen. Die Baselbieter waren im Angriff mutig, hatten viel Zug zum Tor und nutzten Lücken in der gegnerischen Defensive konsequent aus. Da aber auch die eigene Verteidigung mehr Löcher als Käse aufwies, entwickelte sich schnell ein munteres Offensivspektakel mit vielen Toren. Und der bisher in der Liga so desolate Aufsteiger hielt dabei erstaunlich gut mit. Leimental ging sogar mehrmals in Führung und setzte die Solothurner so unter Druck. Mit nur gerade drei Längen Vorsprung – 20:17 – schaffte es der TVS in die Pause.

 

Manchmal kommt der Fall zum (Solothurner) Glück aber nicht

 

Wer dachte, dass die Aarestädter den Pausentee dazu nutzten, sich auf ihre Stärken zu besinnen und den Underdog endlich zu distanzieren, hat weit gefehlt. Dem Heimteam gelang es auch nach dem Seitenwechsel nicht, eine grössere Differenz zu schaffen. Im Gegenteil, der Drei-Tore-Vorsprung schmolz sogar langsam dahin. Nach gut fünf Minuten hatte Leimental den Anschluss wieder hergestellt, nach 41 Minuten folgte der Ausgleich zum 25:25. Und obwohl Solothurn danach wieder kurz auf drei Tore wegzog, ging das Schlusslicht der Liga in der 54. Minute sogar noch einmal in Führung (29:30).

 

In der Folge taumelte der TV Solothurn zwar wie ein angeschlagener Boxer, doch er fiel nicht. Dazu nahm die Truppe von Trainer Andri Tatarinoff aber einiges an Glück in Anspruch – beim Boxer wäre es wohl die Hilfe der Seile gewesen, dass er nicht fällt. Zuerst donnerte der 38-jährige Leimental-Routinier Florian Goepfert nach einer schönen Täuschung völlig freistehend den Ball an den Pfosten. Danach holte der noch neun Jahre routiniertere Tom Ryhiner sich eine Zweiminuten-Strafe ab. Zusammen mit drei weiteren technischen Fehlern in der Schlussphase beraubte sich Leimental am Ende gleich selbst der möglichen Sensation.

 

Der TVS hingegen, der dank der zwei Punkte auf den vierten Platz vorrückt, hat den Schuss vor den Bug hoffentlich verstanden. Denn im nächsten Spiel ist man zu Gast beim KTV Visp. Die befinden sich ebenfalls an einem Tabellenende, jedoch am oberen, mit sechs Siegen aus sechs Spielen. Im Wallis wird Glück nicht ausreichen, um Punkte zu holen, da wird es auch wieder Leistung benötigen.


Foto: Cornelia König-Zeltner


 
 
 

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