Der Cup-Traum lebt weiter
Dank einer soliden Defensivleistung und der am Ende etwas reiferen Spielanlage gewinnt der TV Solothurn im Cup gegen Lokalrivale Biel mit 28:25. Mit dem Einzug in den Sechszehntelfinal können die Ambassadoren nun auf ein grosses Los hoffen. In der kommenden Cuprunde stossen nämlich die NLA-Vereine im Wettbewerb dazu.
Gaudenz Oetterli
Am Donnerstagabend kam es im CIS zur Affiche TV Solothurn gegen den HS Biel. Ein Duell, das es seit drei Jahren in der Erstliga immer wieder gibt, da sich die beiden Klubs in der gleichen Gruppe befinden. Im gestrigen Spiel ging es aber für einmal nicht um Punkte, denn die Partie fand im Rahmen der Hauptrunde des Schweizer Cups statt. Es hiess für beide Teams Sieg oder Niederlage – weiterkommen oder ausscheiden.
Je besser man einen Gegner kennt, desto schwieriger ist es, diesen zu überraschen, zum Beispiel mit einer veränderten Deckung. Sowohl TVS-Trainer Andri Tatarinoff, wie auch Biel-Coach Angel Angelov, wollten aber eben dies erreichen: dem Gegner eine Überraschung bieten. So startete die Partie doch einigermassen skurril. Beide Mannschaften versuchten mit der exakt gleichen Idee in der Verteidigung, den Gegner zu verunsichern, nämlich mit einer 5:1-Deckung und offensiven Zweiern. Ein System, das sonst beide Teams nicht so spielen. Immerhin, die Überraschung gelang beidseitig, denn die Startphase war von etlichen Fehlern auf beiden Seiten geprägt.
Zuerst im Eins-gegen-Eins überlegen…
Nach drei technischen Fehlern und einem Fehlwurf in Folge eröffnete Biel nach ganzen zwei torlosen Minuten das Skore. Nach einem weiteren TVS-Fehlwurf doppelten die Seeländer nach. Nach knapp dreieinhalb Minuten zappelte das Leder dann das erste Mal im Netz des Bieler Kastens. Eine Minute später glich der TVS aus und die Partie konnte de facto noch einmal neu beginnen. Beim zweiten «Start» zeigte sich dann, dass das wesentlich ältere und routiniertere Solothurn sich besser auf die für sie ungewöhnliche Deckung des Gegners einstellen konnte. Während die jungen Bieler über vier Minuten lang nur Fehler produzierten, gelangen dem Heimteam zwei Treffer. Erst nach fast neun Minuten fingen sich die Gäste und kamen kurz darauf noch einmal zum Ausgleich (5:5, 11. Minute).
Danach jedoch übernahm Solothurn endgültig das Spieldiktat. Kontinuierlich bauten die Aarestädter ihren Vorsprung aus. Und sie machten sich dabei im Angriff die offensive Deckung der Bieler zunutze. Vorgestellte Leute lassen hinter sich viel Platz. Platz, den einlaufende Flügelspieler oder ein Kreisläufer, der sich gut bewegt, gnadenlos ausnützen können. Dem TVS gelang es oft, einen der offensiven Spieler aussteigen zu lassen oder ihn weit aus der Position zu ziehen. Ersteres praktizierte vor allem der erfolgreichste Solothurner Schütze, Tobias Zeltner. Im Eins-gegen-Eins konnte er sich vor allem in der ersten Halbzeit Mal um Mal durchsetzen. Der Lohn für seine Mühen waren die am Ende überragenden elf Treffer, davon sieben in der ersten Halbzeit. Diese endete trotz zwischenzeitlichem Fünf-Tore-Vorsprung lediglich mit 16:15 für Solothurn. Denn Biel nutzte eine Phase mit vielen Fehlern auf Seiten von Solothurn mit schnellem Spiel konsequent aus.
… und dann über den Kreis
Je länger das Spiel dauerte, desto besser stellten sich Bieler auf die Eins-gegen-Eins-Duelle ein. Resultatmässig mithalten konnten sie dadurch aber nicht. Das lag vor allem am eigenen Unvermögen. Alleine in den ersten zehn Minuten nach dem Seitenwechsel vergaben die Berner sieben Bälle durch technische Fehler oder Fehlwürfe. Hinzu kam eine schwerwiegend Disziplinlosigkeit. Ausgerechnet der Bieler Routinier Lukas Trummer kassierte eine Zweiminutenstrafe wegen Reklamierens, und weil er sich auch danach nicht zurückhalten konnte, gleich noch eine weitere Strafe obendrauf. Der TVS bedankte sich artig, und erhöhte wieder auf fünf Tore Vorsprung (22:17).
Mit der besseren Deckung der Bieler brachen bei Solothurn aber auch die relativ einfachen Treffer nach Einzelaktionen weg. Dies konnten die Ambassadoren aber schnell kompensieren und sich auf die neue Situation einstellen. Denn hinter den offensiven Verteidigern gewann Kreisläufer Martin Beer Freiheiten. Aus dem Rückraum erhielt er ein ums andere Mal nach druckvollen Kreuzen den letzten Pass, und dankte es seinen Kameraden mit einer nahezu makellosen Wurfbilanz. Mit seinen fünf Toren – davon vier in den letzten sieben Minuten – war er am Ende zweitbester Werfer des TV Solothurn. Und noch wichtiger: Seine Treffer hielten Biel auf Distanz, die Seeländer kamen trotz aller Anstrengungen nie mehr näher als drei Tore an Solothurn heran.
Das Hoffen auf die gute Losfee
Mit dem am Ende ungefährdeten 28:25-Sieg zieht die Truppe von Trainer Andri Tatarinoff in die nächste Cuprunde ein. Im Sechszehntelfinal stossen auch die meisten NLA-Teams dazu. Lediglich der Meister (HC Kriens-Luzern) und der Cupsieger (Kadetten Schaffhausen) haben noch eine Runde länger Pause. Das absolute Traumlos gibt es in der nächsten Runde also noch nicht. Aber mit Teams wie dem BSV Bern, Pfadi Winterthur, Wacker Thun oder Suhr Aarau wären doch bereits sehr schöne Lose zu haben. Vielleicht wird es aber auch ein anderer Erstligist, was die Möglichkeit böte, noch ein Runde weiterzukommen.
Sicherlich weniger beliebt wäre ein Spiel gegen einen B-Ligisten. Dort stehen die Siegchancen recht schlecht und die Affiche lockt dennoch nicht allzu viele Zuschauer in die Halle. Es sind genau diese Gedankenspiele, die den Cup für viele Breitensportler so interessant machen. In jedem Spiel geht es um Alles oder Nichts, nur um dann in der nächsten Runde vielleicht einmal gegen die ganz Grossen zu spielen. Wer es am Ende wird, wie der Gegner heisst? Die Auslosung wir es zeigen.
Bild: Silas Zeltner





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