Ein Spiel mit vielen Siegern
Wenn ein kleiner Verein im Cup gegen ein NLA-Team antreten darf, ist das Resultat zweitrangig. Für den Underdog geht es darum, in der eigenen Halle ein Handballfest zu feiern, das seltene Duell mit der Spitze des Sports zu geniessen, und dabei seine Haut so teuer wie möglich zu verkaufen. All dies gelang dem TV Solothurn beim 26:34 gegen den RTV Basel – und am Ende gingen vor allem Gewinner aus diesem Spiel hervor.
Gaudenz Oetterli
Der grösste Gewinner dieses schönen Cup-Abends war der Handballsport. Das überaus faire Duell zwischen dem motivierten Underdog Solothurn und dem souveränen Favoriten Basel kam trotz seiner Intensität nämlich ganz ohne disziplinarische Massnahmen aus. Es gab über die gesamten 60 Minuten weder eine Zwei-Minuten-Strafe noch eine gelbe Karte.
Gewonnen hat auch der Nachwuchs. Denn auf beiden Seiten holten sich die Teamküken die Ehrung für den besten Spieler ihres Teams. Beim TV Solothurn erhielt der erst 18-jährige Jakub Moskal viel Einsatzzeit, und er dankte es seinem Trainer. Das Eigengewächs aus der Juniorenabteilung des TVS hatte in dieser Saison bereits kurze Einsätze, ein Tor gelang ihm jedoch noch nicht. Ausgerechnet gegen das NLA-Team aus Basel traf er endlich, und dies gleich vier Mal und ohne einen Fehlversuch.
Auch auf Seiten des RTV Basel war es der Jüngste des Teams, der am Ende geehrt wurde. Tobia Appenzeller, wie Solothurns Moskal mit Jahrgang 2008, war im Abschluss ebenfalls fehlerlos unterwegs und erzielte gar sieben Treffer für seine Farben.
TV Solothurn hält in der ersten Halbzeit gut mit
Das Verdikt auf der Anzeigetafel fiel schliesslich deutlich für den Favoriten vom Rheinknie aus. Der Traditionsverein aus Basel wies die Aarestädter mit 34:26 in die Schranken und beendete die Solothurner Cup-Reise. Dennoch konnte auch die Truppe von TVS-Trainer Andri Tatarinoff erhobenen Hauptes vom Platz schreiten. Lange hielten die starken Solothurner nämlich mit dem oberklassigen Gegner mit, auch wenn dieser sicherlich noch nicht auf der letzten, möglichen Rille unterwegs war.
Das Heimteam begann treffsicher und es war erkennbar, dass sich die Solothurner zum Ziel gesetzt hatten, den Favoriten gehörig zu ärgern. Von Beginn weg ging der TVS in Führung und konnte diese meist halten. Als Rückraumspieler Régis Laville nach gut 20 Minuten und einer der vielen Paraden von TVS-Keeper Taro Diethelm einnetzte, lagen die Ambassadoren tatsächlich mit 11:10 in Front. Es sollte jedoch die letzte Heim-Führung sein in diesem äusserst unterhaltsamen Spiel, das vom Niveau her nicht zwei Ligen Unterschied zwischen den Kontrahenten vermuten liess. Zur Pause führte der Favorit mit 16:13.
Ballsicherheit macht den grossen Unterschied
Erst in der zweiten Halbzeit klaffte mit zunehmender Dauer eine Lücke zwischen den beiden Mannschaften. Zwar konnten die Solothurner den Schaden bis zur 39. Minute (18:22) in Grenzen halten, danach jedoch zollte der Erstligist dem Tempo und der hohen Intensität Tribut. Die Fehlerquote der Aarestädter schnellte mit zunehmender Dauer des Spiels nach oben. Nach nur vier technischen Fehlern in der ersten Halbzeit verloren sie nach dem Seitenwechsel gleich neun Mal den Ball. Als Vergleich: Basel hatte pro Halbzeit nur gerade je zwei technische Fehler. Letztlich dürfte dieser Unterscheid natürlich der Kondition der beiden Teams geschuldet sein, denn je besser die körperliche Fitness, desto länger kann auch die Konzetration hoch gehalten werden.
Der starken Leistung der erfrischend aufspielenden Solothurner Truppe tat dies jedoch keinen Abbruch. Im Gegenteil: die zahlreichen Zuschauer in der Halle lobten den Auftritt ihres Lieblingsvereins durchs Band und genossen dieses Saison-Highlight für einen Erstliga-Verein – trotz 26:34-Niederlage. Denn Handballfeste soll man feiern, wie sie fallen. Und wer weiss schon, wenn es das Losglück wieder einmal so gut meint mit dem TVS und den Namen eines NLA-Vereins zieht?
Eigentlich dürfte es damit nicht lange auf sich warten lassen und müsste dies schon nächstes Jahr wiederholen. Ein perfekt faires Spiel voller Spannung, ein Underdog, der über sich hinaus wächst, ein sympathischer Favorit, der ohne Verbissenheit mitspielt, lachende Fans hüben wie drüben, was könnte dem Handballsport Besseres passieren als Gewinner auf allen Seiten?
Bild: Urs Trösch





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