Gelingt dem TV Solothurn der Hattrick?
Nach der Startniederlage gegen Birsfelden fand Solothurn zuletzt mit zwei Siegen zurück in die Spur. Im vierten Saisonspiel erwartet der TVS im heimischen CIS nun Lokalrivale Lyss. Gegen den letztjährigen Aufsteiger wollen die Aarestädter ihren dritten Sieg in Folge einfahren – und damit für einen gelungenen Saisonstart sorgen.
Gaudenz Oetterli
Die Pfadi-Sport-Gruppe – kurz PSG – Lyss, ist einer der grössten Handballvereine der Schweiz. Die Seeländer haben mehr als doppelt so viele Mitglieder wie der TV Solothurn. Trotzdem waren die Berner bis vor zwei Jahren mehrere Jahre nicht mehr in den oberen Handball-Ligen vertreten. Im Gegenteil: Nach dem Abstieg in die Zweitliga 2022 und dem Ziel, direkt wieder hochzukommen, glich der Weg zurück in die Erstliga einer mehrjährigen Tortur.
Im Abstiegsjahr schrammte die zweite Mannschaft der PSG in der Zweitliga mit dem dritten Platz knapp am Aufstieg vorbei. Ein möglicher Aufstieg des zweiten Teams hätte den Abstieg des ersten wettmachen können. Danach war Lyss drei Jahre lang mit zwei Teams in der Zweitliga vertreten, in verschiedenen Gruppen. Und jedes einzelne Jahr erreichte mindestens ein Team den dritten Platz, knapp hinter den beiden Rängen, die zu den Aufstiegsspielen berechtigen.
Das Leiden hatte endlich ein Ende
Im Jahr 2023 wurde Lyss 2 Dritter. Ein Jahr später schrammten sogar beide als Dritteplatzierte knapp an den Aufstiegsspielen vorbei, das nominell erste Team sogar nur wegen der schlechteren Tordifferenz im Vergleich mit dem Zweitplatzierten. Noch ein Jahr später – 2025 – wäre es fast noch einmal gleich herausgekommen, denn Lyss 1 landete wieder auf Platz drei. Aufgrund vieler Teams, welche gar nicht aufsteigen wollten, durften die Seeländer trotzdem an den Aufstiegsspielen teilnehmen – und sie schafften nach langem Leiden den Aufstieg in die Erstliga.
Dort legten die Berner letztes Jahr eine beachtliche Saison als Aufsteiger hin. Mit sieben Siegen und vier Untentschieden ergatterte sich Lyss 18 Punkte und wies Ende der Spielzeit eine komfortable Distanz zu den Abstiegsbarrage-Plätzen auf.
Solothurn startete gut in die Saison, Lyss bekundete viel Mühe
Gegen den TV Solothurn hingegen war für die Lysser letztes Jahr nichts zu holen. Im Hinspiel fertigten die Ambassadoren den Liganeuling gleich mit 34:22 vom Platz. Und auch im Rückspiel in Lyss holte sich der TVS einen ungefährdeten 31:25-Sieg.
Auch in der aktuellen Spielzeit dürften die Kräfteverhältnisse ähnlich gelagert sein. Während Solothurn zwei Cuprunden siegreich überstand und in Kürze gegen den NLA-Verein RTV Basel antreten darf, schied Lyss gegen den Ligakonkurrenten Visp bereits in der Vorrunde aus. Das gleiche Bild präsentiert sich zur Zeit in der Meisterschaft. Nach vier Spielen, davon drei Niederlagen, befinden sich die Seeländer auf dem neuten Platz, vor drei punktlosen Teams. Einzig gegen den Aufsteiger und Träger der roten Laterne, Handball Leimental, konnten sich die Lysser bisher durchsetzen.
Der TV Solothurn hat erst drei Spiele auf dem Konto. Die ärgerliche Startniederlage gegen Birsfelden, das man 53 Minuten lang eigentlich im Griff hatte, war zwar ein Fehlstart; doch mit der anschliessenden Reaktion und den Siegen gegen Lausanne-Ville/Cugy und Nyon La Côte befindet sich der TVS bereits im vorderen Mittelfeld.
Das Derby entscheidet über das Fazit zum Saisonstart
Aufgrund der Tabellensituation und der bisherigen Resultate gehen die Ambassadorenstädter als Favorit in das anstehende Lokalderby. Sowohl die letzten Begegnungen, als auch die aktuelle Formkurve, sprechen für Solothurn. Zudem geniesst die Truppe von TVS-Trainer Andri Tatarinoff Heimrecht.
Lyss kassierte in den ersten fünf Spielen – also inklusive Cup – im Schnitt über 33 Gegentore. Rechnet man das Spiel gegen den Aufsteiger Leimental (32:22) noch heraus, dann sind es sogar nahezu 37 Gegentore pro Spiel. Eine enorm hohe Zahl an Gegentreffern. Solothurn hingegen stellt wieder einmal eine der besten Defensivreihen der Liga. Diese Stärke in der Verteidigung war die Basis für den Erfolg in den bisherigen Spielen.
Ob aus den guten Spielen seit Beginn der Saison auch tatsächlich ein guter Saisonstart resultiert, steht aber erst nach dem Derby fest. Gelingt dem TVS mit dem dritten Sieg in Folge der Zweipunkte-Hattrick, befände er sich unter den Top 4 der Liga und könnte ein positives Fazit ziehen. Mit einer Niederlage jedoch würde man einige Ränge verlieren und trotz eigentlich guter Leistungen lediglich mit einer 4:4-Bilanz dastehen. Das gilt es mit aller Kraft zu verhindern – umso mehr im Derby gegen Lyss.
Bild: Till Hunziker





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